Warum Tiermedizin teuer wirkt – und die Diskussion trotzdem zu kurz greift
Meinungen zu kontrovers diskutierten Themen aus der Tiermedizin-Bubble sind schon lange laut, teilweise unreflektiert und oftmals spalten sie leider auch die Menschen, die eigentlich in etwas sehr Wichtigem vereint sein könnten: ihrer Liebe zum Tier. Die Reportage mit dem polarisierenden Titel „Tierisch teuer“, die kürzlich der SWR im TV ausstrahlte, zeigt, wie wir bitte nicht über emotional aufgeladene Tiermedizin-Themen diskutieren. Was mich dabei gestört hat, war weniger das Thema selbst als die einseitige Perspektive.
Ein Versuch, beide Seiten zu verstehen und in Einklang zu bringen.

Zwischen Tierliebe und wirtschaftlicher Realität
Tiermediziner/innen sehen sich, auch aufgrund der Anonymität des Internets, verschiedensten Vorwürfen konfrontiert. Das leidige Geldthema ist dabei eines, das immer wieder serviert wird:
Der erste Gang: „Tierärzte lieben doch Tiere. Wieso sollten sie dann mehr als unbedingt nötig an ihnen verdienen? Im Zweifel können sie ruhig mal was kostenlos machen.“
Der zweite: „Wenn ich mit der Behandlung oder der Rechnung unzufrieden bin, habe ich das Recht, das lautstark in die Welt zu posaunen oder alternativ direkt an den Behandelnden auszulassen, auf welchem Weg auch immer ich es gerade fühle.“
Und schließlich der dritte Gang: „Wenn ich mir mein Tier nicht mehr leisten kann, weil die Kosten so stark steigen, ist am Ende der Tierarzt, die Tierärztin Schuld. Wer denn auch sonst? Schließlich muss ich meine gestiegenen Lebenshaltungskosten abseits von meinen Haustieren noch finanzieren können. Wenn das so weitergeht, können sich bald nur noch die Reichen ein Haustier leisten.“
Selbstverständlich denken nicht alle so. Es gibt viele tolle, verständnisvolle Tierhaltende, die auf Augenhöhe kommunizieren. Dies sind jedoch keineswegs überspitzte Formulierungen, sondern tägliche Realität in vielen Praxen, Kliniken und Internetforen.
Und natürlich verstehen wir das: Unsere Vierbeiner sind nicht bloß Tiere, sondern Familienmitglieder. Wir wollen nur das Beste für sie, alle. Doch wer die modernste Medizin und die innovativsten Behandlungen wünscht, darf die Augen nicht verschließen vor der (zugebenermaßen harten) wirtschaftlichen Realität.
Denn: Medizin ist teuer. In der Humanmedizin bekommen Patient/innen das selten mit, da sie nur ihre Versichertenkarte zücken und nicht, wie in der Tierklinik, gleich den ganzen Geldbeutel.
Doch was es zu bedenken gilt: Was Tierbesitzer/innen hier bezahlen, sind nicht die 15 Minuten im Praxisraum oder das kurze Gespräch. Es sind vielmehr 5,5 Jahre hartes Studium, lebenslange Fort- und Weiterbildungen, Energiekosten, Praxismieten, Mitarbeitenden-Gehälter, Fachlektüre, medizinische Technik und vieles mehr.
Und auch für diese Posten sind die Preise gestiegen. Dass diese an den Endkunden weitergegeben werden (müssen), ist keine Schikane, sondern wirtschaftlich erforderlich.
Und auch hier nochmal: Steigende Preise in allen Bereichen (be)treffen uns alle! Keinem Tierhaltenden soll abgesprochen werden, unter welchem finanziellen Druck man hier mittlerweile schnell mal steht.
Doch wenn wir unter dieser Prämisse jetzt annehmen dürfen, dass zumindest unter seriösen Medien eine ausgewogene, gründlich recherchierte Berichterstattung erfolgen dürfte, die sogar in der Lage wäre, diese Spannungen zwischen Tierbesitzer/innen und Tiermediziner/innen zumindest ansatzweise durch Aufklärung zu entspannen… tja, dann haben wir uns wohl getäuscht.
Das hat die ARD-Doku mit dem Titel „Tierisch teuer“ von Dokumentarfilmer Berndt Welz zuletzt deutlich gemacht.

Viele Menschen, die in der Tiermediziner arbeiten, werden aktuell laut gegen das in der Doku Dargestellte. Denn schnell wird klar: Hier will man den frustrierten Tierhalter abholen, und bedient sich dabei gerne einem bereits vorhandenen Feindbild, das uns ja geradezu auf dem Silbertablett serviert wird: der geldaffine Tierarzt, die wirtschaftlich denkende Tierärztin, die nur den finanziellen Gewinn im Sinn haben. Die Debatte um die Ursachen der gestiegenen Tiermedizin-Kosten verkürzt die Doku auf gefährliche Weise.
Anstatt sämtliche Ursachen realistisch und ausgewogen einzuordnen, werden Tierhaltende, die nicht den fachlichen Hintergrund haben, um die getätigten Aussagen einzuordnen, in ihrer Skepsis gegenüber der Tiermedizin nur weiter bestärkt.
Wem soll das etwas bringen? Dem Tier vermutlich am allerwenigsten.
Aber schauen wir uns doch einmal genauer an, was uns hier schmackhaft gemacht werden soll.
Was die Debatte über Tierarztkosten oft übersieht
Ich kann nicht anders, als diese Doku als Meinungsmache zu bezeichnen. Sorry, not sorry.
Was uns die Reportage nämlich zeigt, sind zunächst Tierbesitzer, die unter Tränen horrende Rechnungen in die Kamera halten und erklären, dass sie alles für ihr Tier tun und zahlen würden, jedoch haben die Tierkliniken unnötige Behandlungen durchgeführt und die Besitzer des Tieres nicht ausreichend informiert.
Ganz klar: Ich fühle mit jedem, der so eine Geschichte durchmachen muss mit, wirklich. Nur ist es vielleicht zu bequem gedacht, die Tiermediziner als Problem zu brandmarken. Natürlich gibt es auch in der Tiermedizin Fehlentwicklungen, schwarze Schafe oder schlechte Kommunikation. Aber ich wage mich zu behaupten, dass diese in der Tiermedizin kein Standard und vor allem höchst selten so böswillig motiviert sind, wie es uns diese Reportage glauben lassen will. Und ganz nebenbei: Diese in der Doku gezeigten Rechnungen in Höhe von 20.000 Euro oder mehr sind eher Ausnahmen als die Regel.
Und außerdem: Warum sollten wir Tierarzt oder Tierärztin werden, wenn wir nicht das Wohl der Tiere im Sinn haben?
Weiterhin zeigt die Doku eine Tierärztin, die bereits durch kontroverse Positionen aufgefallen ist, die im Widerspruch zur Ansicht vieler erfahrener und leitlinienorientiert arbeitender Tiermediziner/innen stehen. (Wie hier Narkosemanagement betrieben wird, und was das für das Tier bedeutet, wäre hier zu weit gegriffen, wird aber bei Interesse gerne nochmal aufgenommen.)
Ebenfalls interessant: Die Doku zeigt uns einen Versicherungsmakler, der behauptet, es gebe keine Versicherung für bestimmte Tierarten wie Kaninchen oder Meerschweinchen. Allerdings gibt es diese bereits seit ein paar Jahren, und viele Kaninchenhaltende haben bereits sehr positive, bestärkende Erfahrungen damit gemacht. Wieso also erwähnt man nicht, dass solche Versicherungen auch bei Heimtieren verhindern können, das hohe Tierarztrechnungen entstehen? Weil der gezeigte Makler selbst diese Versicherungen vielleicht nicht verkauft?

Wut an der Tierärztinnenfront ist auch verständlich, wenn man bedenkt, welch unsinnigen Vergleiche die Doku aufzeigt: Etwa der zwischen einer kleinen Landarztpraxis (mit zwei Räumen ohne zusätzliche Anmeldung usw., wenn man nach Kundenstimmen geht) auf der einen Seite (die by the way im Beispiel eine Narkose beim Kaninchen durchführt, die von den meisten Tiermediziner/innen als nicht leitliniengerecht eingeordnet wird und mit deutlichem Unbehagen verbunden sein kann) und einer hochmodernisierten, spezialisierten Klinik auf der anderen Seite. Eine Klinik, die Spezialist/innen auf verschiedenen Gebieten beschäftigt, die neueste Medizintechnik anbietet und nach innovativen Methoden arbeitet. Es macht eben finanziell einen Unterschied, ob eine Tierärztin alleine eine schnelle, einfache Narkose durchführt und dann operiert, um das Tier anschließend in der Aufwachphase alleine zu lassen, oder eine weitere Person während der gesamten Narkose und Aufwachphase beim Tier bleibt und aufpasst, dass es nicht zu Komplikationen kommt. Und diese häufen sich besonders in der Aufwachphase bzw. in den ersten Stunden nach der OP.
Also: Wollen wir, dass unser Tier rundum entspannt einschläft, bevor es operiert wird? Dass es zu möglichst wenigen Nebenwirkungen kommt? Wollen wir, dass jemand bei unserem Tier ist, bis es wach ist? Wollen wir eine günstige Behandlung, oder wollen wir die beste?
Wohin ich mein Tier nun lieber in Obhut geben möchte, kann ich ja als Halterin selbst entscheiden. Aber diesen Vergleich aufzustellen, ohne umfassend einzuordnen, wie die Preisunterschiede zustande kommen? Hier wünsche ich mir seriöse Berichterstattung, die es auch den Tierhaltenden, ermöglicht, Aussagen einzuordnen und eigenständige Entscheidung zu treffen.
Ebenfalls wild: Falsche, nicht belegte Aussagen wie die, dass die meisten Tierkliniken den 4fachen GOT-Satz abrechnen. Vielleicht erwähnenswert an dieser Stelle: Der vierfache GOT-Satz darf nur im Notdienst abgerechnet werden…
Diese Reportage macht viele Menschen in der Vetmed-Bubble wütend und frustriert — nicht weil Tierarztkosten kein reales Problem wären, sondern weil ein wichtiger Teil der Realität gefehlt hat.
Zwischen tierischem Engagement und Wirtschaftsdruck: Was in der Debatte über Tierarztkosten fehlt
Tierberufler/innen wünschen sich (Zu Recht) eine differenziertere Debatte. Eine, die etwa berücksichtigt, dass es am Ende die Investoren sind, die wirklich daran verdienen, dass sie große Ketten aufziehen, indem sie deutsche Tierkliniken aufkaufen und teurer verkaufen. Dass diese Druck ausüben, damit möglichst viele teure Behandlungen durchgeführt werden, kann so erstmal nicht belegt werden (und sehe ich in meinem Umfeld auch nicht bestätigt).
Doch wäre es nicht vernünftig, den Tierhalter/innen selbst die Entscheidung zu überlassen, ob sie eine solche Kette aufsuchen oder eben eine inhabergeführte Praxis wählen? Anstatt ihnen einzureden, dass diese wirtschaftliche Praxis überall Gang und Gäbe ist?
Was die Reportage ebenfalls nicht zeigt, und was besonders wichtig ist: die Tatsache, dass die Gebührenordnung für Tierärzte vor 2022 seit 1999 nicht mehr umfassend geändert wurde! Somit wurden die Gehälter der Tiermediziner seitdem nicht mehr angemessen an die steigenden Kosten (Stichwort Inflation) angepasst!
In vielen Betrieben ist es gängig, dass etwa die Löhne jährlich zumindest leicht an die Inflation angepasst werden. Dies war in der GOT also lange überfällig. Natürlich war das ein knallharter Umbruch für Tierhaltende, doch diese akut gestiegenen Preise waren eher ein Versäumnis an anderer Stelle und obliegen nicht der Verantwortung der Tierärzte.
Es ist auch unglücklich formuliert, dass tiermedizinische Leistungen aufgrund der GOT-Erhöhung höher abgerechnet werden „dürfen“. Die GOT stellt auch eine Mindestrichtlinie dar. Das bedeutet, dass sie nicht unterschritten werden darf. Der Hintergrund dieser Leitlinie ist jedoch, dass wirtschaftlich gearbeitet werden kann, ohne ein Minusgeschäft zu machen, und mit steigenden Kosten mithalten zu können.
Wie diese Kosten aufgestellt sind (siehe oben), wäre doch sicherlich auch für die Zielgruppe spannend gewesen und hätte einiges an Aufklärungsarbeit leisten können. Schade, dass diese Chance hier vertan wurde.
Eine Chance stellt die gestiegene GOT aber beispielsweise für junge angestellte Tiermediziner/innen dar. Diese profitieren davon, jetzt wenigstens etwas besser angepasste Gehälter zu erhalten. Gehälter, von denen sie sich ein Leben aufbauen können, nachdem noch vor Jahren manche von ihnen nachts Taxi fahren oder putzen gehen mussten, um ihr Leben zu finanzieren und ihre Studienkredite überhaupt abzahlen zu können.

Gut zu wissen: Die GOT ist kein frei erfundener Wunschpreis. Wer sich gerne darüber informieren möchte, wie diese zustande kommt, kann dies gerne hier tun.
Und an dieser Stelle noch ein Einschub zum Stichwort Feminismus und Gleichberechtigung:
Auch hier dürfen wir bitte alle einmal weiter denken als bis zur nächsten Ecke: Der Großteil der Studierenden in der Tiermedizin ist weiblich, das ist Fakt. Manche Tierärztinnen müssen eventuell hohe Studienkredite zurückzahlen, manche möchten eine Familie gründen, fallen durch Beschäftigungsverbot in der Schwangerschaft, Erziehungszeit usw. längere Zeit aus, arbeiten vielleicht dauerhaft Teilzeit, und müssen trotzdem ihren Lebensunterhalt und ihre spätere Rente absichern, um nicht von Männern abhängig zu sein. Auch für diese Gruppen sind an die Inflation angepasste Gehälter superwichtig, und das betrifft auch andere Berufsgruppen der Tiermedizin, bei denen die gestiegenen Kosten am Ende des Tages ankommen, etwa Tiermedizinische Fachangestellte.
Nicht zuletzt ist ein wichtiger Aspekt in dieser ganzen Tiermedizin-Kosten-Debatte viel zu kurz gekommen, nämlich die Tatsache, dass Versicherungen ein bedeutender Teil der Lösung für uns alle sind!
Ja, auch eine Tierkrankenversicherung kann kostspielig sein. Aber, wer sich die monatliche Versicherungsrate nicht leisten kann, kann sich auch ein Tier nicht leisten. Den Fakt, dass vorerkrankte, ältere Tiere nicht versicherbar sind, möchte ich nicht totschweigen. Aber auch hier liegt es allein in der Verantwortung der Tierhaltenden, eine Lösung zu finden. Wie kann man auf die Idee kommen, diese Verantwortung auf die Behandelnden abzuschieben?
Tierliebe bis zur Selbstaufgabe?
An dieser Stelle möchte ich eine Frage an all diejenigen richten, die mit dem in der Reportage Gesagten d’accord gehen:
Warum, wenn wir so geldaffin sind, haben wir uns dafür entschieden, Tiermedizin zu studieren? Eines der härtesten Studienfächer, das gleichzeitig noch 2022 zu einem Einstiegsgehalt von rund 2.500 Euro brutto führte (in einem Job mit hoher emotionaler und körperlicher Belastung, nach kräftezehrendem Studium, und mit vielen Überstunden, Nacht- und Notdiensten), einer ernüchternden Kosten-Nutzen-Rechnung.
Warum, wenn wir uns bloß eine goldene Nase verdienen wollen, haben wir nicht lieber Pharmazie, BWL, Informatik oder Ingenieurwesen studiert, Jobs, in denen man wirklich gute finanzielle Perspektiven hat, bei vergleichsweise möglicherweise deutlich weniger Stress, heißt: weniger Nacht-/und Notdienste, weniger Kontakt mit Patientenbesitzern, weniger Todesfälle, die wir häufig nicht beeinflussen können, aber emotional ganz nah miterleben, weniger Blut, Schweiß und Tränen? Ja, warum denn?
Und falls wir doch gerne „was mit Medizin“ machen und einen weißen Kittel tragen wollen, warum sind wir dann nicht Humanmediziner/innen geworden? Die verdienen nämlich rund 5600 Euro brutto Einstiegsgehalt (als Assistenzärzte im Krankenhaus).
Moderne Tiermedizin braucht Ressourcen
Und was jetzt? Triste Zukunftsaussichten für die Tiermedizin, oder?
Also, liebe Medien (und ich möchte hier nicht nochmal diejenigen adressieren, die es jüngst vergeigt haben, sondern gerne einmal generell an alle, die diese Verantwortung der Aufklärung teilen):
Auf dem Weg, das alteingesessene Bild des Porsche fahrenden Tierarztes zu verdammen, der nur wirtschaftlich denkt und sich eine goldene Nase verdienen will, helfen uns solch einseitig recherchierten Reportagen leider ganz und gar nicht weiter. Im Gegenteil: Sie schüren den Hass, der ohnehin schon herrscht, und dem Tiermedizinerinnen sich jeden Tag ausgesetzt fühlen, sei es online auf Social Media, in unfairen Google-Bewertungen oder vor Ort, wenn sie im Notdienst sexuell belästigt oder während der Sprechstunde beschimpft werden.
Und wer hier am Ende ebenfalls verliert, sind die Tierbesitzer/innen: Denn schon während den ersten ein bis zwei Berufsjahren nach dem Studium wird vielen jungen Tierärztinnen klar, dass sie diesen Job unter diesen Bedingungen nicht weiter praktisch ausführen können. Immer mehr entscheiden sich, in die Wirtschaft, Pharma, den Lebensmittelbereich oder das Amt abzudriften – und dort stehen sie den Patienten nicht mehr zur Verfügung, denen sie anfangs eigentlich so hochmotiviert helfen wollten.
Und diese Patienten sollten doch im Vordergrund stehen. Kliniksterben und Nachwuchsmangel in der Tiermedizin sind kein Mythos, sondern bittere Realität. Wer also in Zukunft nicht 500 km bis zum nächsten notdienstleistenden Tierarzt fahren will, und sich weiterhin eine zuverlässige, zugewandte Behandlung nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft wünscht, sollte dies in sein tägliches Denken und Handeln mit einbeziehen.
Und um mit etwas Positivem, Konstruktivem abzuschließen, ein paar Ideen, was wirklich helfen könnte:
Versicherung is key: Und ja, es gibt sie mittlerweile auch für kleine Heimtiere! Natürlich gibt es die Fälle, in denen keine Versicherung (mehr) möglich ist. Aber zukunftsweisend ist diese Option allemal. Für aktuelle Herausforderungen müssen wir (und damit meine ich die Halter/innen!) Lösungen finden.
Ein weiteres Stellrad, das mich jedes Mal anspringt, wenn ich mir eine Tierarztrechnung ansehe: Steuern. Warum nicht mal beim Staat anfangen und diesen mit in die Verantwortung ziehen? Die Mehrwertsteuer auf Tierarztkosten liegt aktuell bei stolzen 19 Prozent. Wieso fordern wir nicht einfach mal Steuersenkungen, Prämien oder Entlastungspakete, wie wir sie aus anderen Lebensbereichen kennen, statt die Verantwortung auf die Behandelnden abzuwälzen?
Und ebenfalls ganz wichtig: Kommunikation. Ruft nicht in jeder Tierklinik an und fragt stumpf nach Preisen. Lasst euch doch einmal erklären, wie diese sich zusammensetzen. Schaut euch die Praxen und Kliniken an. Wurden sie von einer großen Kette, von großen Investoren aufgekauft? Wenn ihr dies nicht unterstützen möchtet, sucht euch eine unabhängige Praxis oder Klinik. Oder steht dazu, dass ihr euch gute Medizin für euer Tier wünscht und akzeptiert, dass diese ihren Preis hat.
Aber widersteht der Versuchung, alles allein vom Preis abhängig zu machen. Denn ja, manchmal ist günstig eben wirklich schlechter, wenn auch nicht immer. Kommuniziert auch die eigenen (finanziellen) Grenzen. Fragt nach, wenn ihr etwas nicht versteht oder ein komisches Gefühl habt.
Lasst uns miteinander statt gegeneinander handeln, und geht in die Kommunikation mit euren Tierärzt/innen, und zwar auf Augenhöhe.
Resümee: Es ist noch nicht zu spät, an einem Strang zu ziehen
Tiermediziner/innen sehen sich sehr viel Kritik konfrontiert. Und nicht nur das. Auch echter Hass, befeuert und vereinfacht durch die Anonymität des Internets, sorgen dafür, dass viele, die eigentlich mal hochmotiviert und engagiert gestartet haben, das Schlachtfeld wieder verlassen, um sich selbst zu schützen.
Aber: Die Tiermedizin-Bubble hat auch eine richtig starke Community hervorgebracht. Tierärzt/innen, Tierarzthelfer/innen und sogar Tierhaltende, die sich gemeinsam stark machen, um aufzuklären, und geschlossenen Zusammenhalt nach außen zu zeigen.
Und das ist vielleicht auch das, was zukunftsweisend ist und ein wenig Hoffnung machen darf: Wir, egal ob noch Studierende, gerade neu in den Job eingestiegen, als Tierberufler/in anderweitig mit diesen Thematiken in Berührung kommend oder Tierhaltende, die die unfairen Strukturen durchblicken und sich weigern, unreflektiert laut zu werden. Wenn wir sehen, was uns vereint, nämlich die Liebe zu Tieren, und nicht nur das, was uns trennen soll, können wir eine Community mit Zusammenhalt sein, gegenseitig stärken und supporten und gemeinsam dafür sorgen, dass die Tiermedizin sich in die richtige Richtung entwickelt, in der das Wohl der Tiere im Mittelpunkt steht.
Und es wäre sehr schön, wenn Medien, die großen Einfluss auf Meinungsbildung haben, einen Beitrag dazu leisten, anstatt die Tierliebenden weiter zu spalten.
Last but not least: Props an alle aus der Tiermedizin-Bubble, die bereits tolle Aufklärung zum Thema gemacht haben und nicht müde werden, Dinge richtigzustellen, welche die berichterstattenden Medien versäumen.
Quellen & Material zum Weiterlesen
Gebührenordnung (GOT) / Bundestierärztekammer e.V.
Gehaltscheck 2026: Was Tierärzte wirklich verdienen | vetline
https://www.frontiersin.org/journals/veterinary-science: A cross-national study on mental health, psychological distress and suicidal ideation among veterinarians in multiple European countries)
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